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Aug.
9th
Mo.
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Nippel durch die Lasche

In der Wiesbadener Stadtbücherei steht ein Kopierer, dessen Display die Handlungsanweisung “Kostenstellenzähler einsetzen” anzeigt. Keine Fremdwörter, keine von einer Übersetzungsmaschine pulverisierte Grammatik

… und dennoch für viele BibliotheksbenutzerInnen ein großes Rätsel. Ein Rätsel, das in der aktuellen GfdS-Zeitschrift als Beispiel dafür angeführt wird, dass Übersetzungen vom Deutschen ins Deutsche immer wieder mal dringend nötig sind.

Ach was, dachte ich - das Heft beiseite legend, um nicht in Versuchung zu kommen, nach der Lösung zu schielen -, vor Ort ist das doch sicher selbsterklärend. Das Zählerding am Gerät ist wahrscheinlich signalrot und blinkt, und wer es sieht, weiß, was zu tun ist. Meinereine, 600 km vom Wiesbadener Kopierer entfernt, brauchte also ein bisschen Unterstützung. Die gute Tante Google verriet, dass ein Kostenstellenzähler die

Möglichkeit der zahlenmässigen Erfassung aller auflaufenden Kopier-, Druck-, Scan- und Faxaufträge einzelner Personen, Abteilungen oder Projekte durch eine PIN-Eingabe vor Benutzung des Geräts

ist. PIN-Eingabe also, alles klar. Vergnügt ob der schnellen Lösung griff ich wieder zur Zeitschrift und las weiter. Für ratlose BenutzerInnen sei neben dem Gerät eine zusätzliche, verständlichere Bedienungsanleitung angebracht. Der erste Punkt laute:

“Kostenstellenzähler einsetzen” bedeutet:
“Geld einwerfen”.

Oh. Da machte ich große Augen und leistete innerlich Abbitte bei den Wiener Büchereien, über deren für Uneingeweihte praktisch unbedienbare Selbstverbuchungsgeräte ich schon böse geflucht habe. Aber das ist ja nix im Vergleich, dachte ich, Kostenstellenzähler statt Geld zu sagen, das kann wirklich nur jemandem in Wiesbaden einfallen. Wie kommt mensch bloß auf sowas? Und als sich wenig später Gelegenheit zum Smalltalk mit meinem städtischen Lieblingsbibliothekar bot, goss ich Hohn und Spott über Wiesbaden und seine schrulligen BüchereimitarbeiterInnen mit den absonderlichen Sprachgewohnheiten … Muss ich noch extra erwähnen, dass ich das mal besser hätte bleiben lassen? Nun muss ich auch bei den Wiesbadener Büchereien Abbitte leisten. :-)

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