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Heilige Strohsäcke
Wer hätts gedacht? In der Alpenrepublik ist sittsamer Lebenswandel tatsächlich zum medial behandelten Thema geworden. Bzw die Vermutung, das Gegenteil träfe zu. Bei Karima Al-Mahroug nämlich, Richard Lugners Opernballgast in diesem Jahr. Noble Standard-Autoren sehen da einen Griff in die Gülle, der aber doch exquisite Vulgarität erwarten lässt. ORF-Programmchef Lorenz parliert, feingeistig wie immer, von Logenstrich und Nuttenball und empfiehlt, die junge Frau als “unvermeidbare Marginalie” zu behandeln. Solche Anstandsattitüde wär schon päpstlicher als der Papst gewesen, als das klerikale Sittenbild noch weniger unschön anzusehen war. Aber vermutlich bricht sich in derlei Kommentaren eh nicht plötzlich entdeckte Tugendhaftigkeit Bahn, sondern die altbekannte Frauenfeindlichkeit. Die hat ja vordergründig immer schon gern unterschieden zwischen ehrbaren Damen und lockeren Dirnen - um Ersteren zu zeigen, dass die ganz alltägliche Diskriminierung noch um Ausgrenzung und Ächtung ergänzt werden könnte, wenn sie sich den herrlichen Spielregeln nicht unterwerfen. Hat sich nicht so wirklich viel gewandelt im Lauf der Jahrhunderte, scheints.