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Peter Pilz
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Traurige Gestalten

Wenn in einer freien demokratischen Gesellschaft ein Enthüllungsjournalist und sein Medium Opfer von Zensurmaßnahmen werden würden täten, wär das eigentlich eine Ehr, ein Ritterschlag quasi. Und in der prompt geäußerten Empörung der Zensurierten würd denn wohl unvermeidlich auch ein bisserl stolze Freude mitschwingen. Wär ja nur menschlich. Tät sich die Zensur dann aber als gar nicht stattgefunden habend entpuppen, als Seifenblase, platzt mit ihr auch die Ritterwürde. Aber wie das so ist mit schönen Träumen - der Mensch versucht sie festzuhalten und das Aufwachen immer noch ein Momenterl rauszuzögern. Wohl dem, der einen Wecker mit Schlummermodus hat. Florian Klenk hat den Falter.

Und wo ein einfacher Wecker schon nach fünf Minuten das endgültige Aufwachen einläutet, lässt der Falter seine Politikchef tagelang träumen: am Montag wurde Klenks Blog doch nicht zensiert, am Mittwoch erklärt die Redaktion sich selbst und ihren Leserinnen, dass Klenks Blog vom Justizministerium für dessen Bedienstete gesperrt wurde. Über die prompte Aufhebung der Sperre verliert Stefan Apfl kein Wort, sondern träumt versonnen von Beamten vor schwarzen Bildschirmen, die auf den nächsten Falter warten.

In so einem schönen Traum mag auch Armin Thurnher die Seele baumeln lassen. Unter fadenscheinigen Vorwänden habe das Ministerium Klenks Blog für die Justizmitarbeiterinnen gesperrt, poltert er, weil … nun, es passiert ja oft in Träumen, dass sie an der spannendsten Stelle abreißen und die Handlung irgendwo anders weitergründelt. Diesfalls in jenem Üblen, das Klenk vom Ministerium nachgeredet wurde, als es die Sperre mit “Inhalten aus den Bereichen Glücksspiel, Computerkriminalität, Pornografie, Soziale Netzwerke und Phishing” begründete.

In Träumen ist natürlich alles möglich. Sogar ein alpenrepublikanisch-ministerieller Filterrobot, der mit ausgereifteren Algorithmen auf die Pirsch geht als es sein Kollege von der Google-Werbung tut. Und der findet im Klenk’schen Blog durchaus Aufhänger für werbende Dekoration etwa zu sozialen Netzwerken (“UkraineDate.com”) oder Spielen, die glücklich machen.

Klenks Blog im GoogleReader

Immerhin: Das Wort Zensur, in Klenks Blog noch als Synonym für die Kurzzeitsperre verwendet, kommt in der Printversion nicht vor. So ausgeschlafen ist er dann doch schon, der Falter.

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