27th
Saures Aufstoßen
Der Elternverein strebt eine Dienstfreistellung an, bis geklärt ist, wie sich ein transsexueller Lehrer auf Jugendliche auswirkt, die selbst auf der Suche nach Identität sind
… meldet der Kurier unter dem Titel “Aufregung um transsexuellen Lehrer”, und auch der ORF ließ den Elternvereinsobmann in diesem Sinne zu Wort kommen. Und wie, bitte, sollen die Auswirkungen geklärt werden, wenn sie gar nicht erst auftreten können, weil Transsexuelle nicht unterrichten dürfen sollen, ehe geklärt ist, wie sich das auswirkt? De facto fordert der Elternverein also Berufsverbot für den transsexuellen Lehrer - und keinE JournalistIn hakt da nach? Oder die Stellungnahme der Psychotherapeutin im Kurier:
Diese Konfrontation ist eine tief greifende basische Identitätsfragestellung, sie ist verwirrend, kann aber auch traumatisierend wirken. Dazu kommt, dass Lehrer Führungsverantwortliche mit Vorbildwirkung sind.
Hallo? Gehts noch? Wenn die Auswirkungen - falls es denn überhaupt welche gäbe - ungeklärt sind, dann ist Gerede von Traumatisierung wohl ein bisserl voreilig. Und “Vorbildwirkung”? Glaubt Frau Doktor, die Knaben in des Lehrers Klasse werden sich reihenweise in rosa Rüschenkleider werfen? Wär eh wurscht, wenn, aber die Wahrscheinlichkeit kommt mir gering vor: In meiner Jugend jedenfalls waren LehrerInnen die Letzten, die als Vorbilder in Sachen modischer und/oder sexueller Orientierung hergenommen wurden. Jedenfalls, die sexuelle Orientierung von LehrerInnen mit ihrer Vorbildwirkung in Zusammenhang zu bringen, ist sowas von daneben - derlei Geschwurbsel unkommentiert und unhinterfragt als Expertenmeinung wiederzugeben, wirft ein bezeichnendes Licht auf das, was sich hierzuland Qualitätsjournalismus nennt.
Btw - helfen basische Identitätsfragestellungen gegen Magenübersäuerung?
[ via im blickfeld ]