… wurde der leidgeprüften Halterin eines intakten Rüden mit Explosionsneigung beschieden, als sie quer über die große Hundewiese die obligate Frage brüllte, welchen Geschlechts der nahende fremde Canide sei.
Während “das Mensch” eine abwertende Bezeichnung für Frauen ist, steht Menschi für weibliche Wesen, die als niedlich angesehen werden, mit denen aber nicht auf Augenhöhe kommuniziert werden kann, weil es ihnen an Reife mangelt: Folgerichtig werden nicht nur kleine Mädchen, sondern auch weibliche Vierbeiner so genannt, selbst wenn es respektable Katzenmatronen oder weise Hundurgroßmütter sind.
Sofern nicht nur niedlich und knuddelig, sondern auch schwarzfellig, werden diese Haustiere gern mal auf Murli oder Mohrli getauft. So auch besagte Hündin, ein mittelgroßes Wuschelchen der Sorte Pudel quer durchs Dorf, an die der Rüde gleich sein Herz verlor.
So ein Menschi, erfuhr ich, während die Hunde sich vergnügten, sei viel gescheiter als männliche Hunde – “schlau san de Manderln a, aber net so gscheit” -, habe also mehr soziale Intelligenz. Was weniger Ärger bedeute als der Alltag mit bekanntlich eher rüden Rüden. Und Murln wiederum seien zudem besonders pflegeleicht: “Do siagt ma den Dreck net aso.”
Normalverbraucherins alltägliche Wortwahl scheint eher von Pragmatismus bestimmt zu sein denn von jenem Rassismus, den sensible Alpenrepublikanerinnen nun im Gebrauch des Wortes „Mohr“ orten. Wobei – dies nur am Rande bemerkt – in der sich über Mehlspeisnamen echauffierenden Bloglandschaft die Befindlichkeit von Schwarzen angesichts unpassender Wortwahl weitaus sensibler betrachtet wird als jene von Frauen.
Ich mein, mir ists ja blunzn. Gendern soll, wer will, die anderen sollens bleiben lassen. Und natürlich ist es Sache jedes Menschen selbst bzw auch jeder Gruppe, welche Benennungen als beleidigend oder diskriminierend empfunden werden – das zu respektieren, gebietet die Höflichkeit (welcher sich zu befleißigen btw auch Rassistinnen zumutbar ist oder sein sollte). Aber zwischen Benennungen von Menschen(-Gruppen) und Benennungen von Tieren, Pflanzen und unbelebten Objekten wie Kuchen scheint mir doch ein kleiner Unterschied zu bestehen.
Wäre das Wort “Mohr” kontextunabhängig beleidigend, diskriminierend und rassistisch, wären alle blassen Mitteleuropäerinnen nachnamens Mohr personifizierte Demütigungen, wandelnde Ohrfeigen für alle Schwarzen. Das wird aber offenbar nicht so empfunden. Auch nicht beim Mohrenkopfpapagei oder beim Mohrenkopfmilchling, und auch nicht bei den vielen Wirtshäusern, Apotheken, Gassen und Plätzen, die ein “Mohr” im Namen tragen. Keine Initiativen für flächendeckende Umbenennungen, kein Disclaimer ergänzt die Autorenangabe beim berühmtesten Weihnachtslied der Welt um ein Antirassismussprücherl … aber in einen wehrlosen kleinen Kuchen wird sich verbissen. Obwohl der ja nun wirklich niemanden beleidigt. Es sei denn, er würde jemandem samt Schlagobershemd ins Gesicht geworfen – aber dafür könnte ja der Kuchen nix.